Die Zimmermänner vom Plakat

Gut sehen sie aus, stolz vertrteten Sie ihren Beruf: Dabei sind die drei Herren auf den aktuellen Plakaten der Zimmerer keine Modelle, sondern Zimmerer im wirklichen Leben. Und das mit Leib und Seele, wie sie im persönlichen Gespräch deutlich machen ...

Christian Hager

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Am Plakat hebt Christian Hager den Schatz auf dem Dach. Wobei es heute längst der Wissens-Schatz ist, den er pflegt und weitergibt: als Lehrer für die angehenden Zimmerer an der Landesberufsschule in Pöchlarn.

Christian, was ist das eigentlich, was Du da am Plakat so effektvoll präsentierst?
Das ist ein Alpha-Winkel. Mit dem übertragen wir die Vorgaben aus den Plänen auf das Holz, oder wie wir sagen: Wir bringen den rechnerischen Abbund auf die Hölzer.

Was hat Dich seinerzeit zur Zimmerer-Lehre geführt?
Der Bau hat mich immer schon interessiert. Weil jedes Bauwerk und jede Baustelle anders ist. An der Zimmerei hat mir dann speziell gefallen, dass ich mit einem natürlichen und nachhaltigen Baustoff arbeiten kann.

Was ist das Schöne am Zimmerer-Beruf?
Die Möglichkeit, individuell etwas zu gestalten. Der Spielraum dafür ist noch viel größer geworden, seit der Holzbau so einen Aufschwung genommen hat. Die Zeiten, in denen Du als Zimmerer nur Dachstühle gemacht hast, sind nicht mehr aktuell.

Was macht einen guten Zimmerer aus?
Ein guter Zimmerer muss mit Leib und Seele bei seinem Beruf sein. Er muss sich stetig weiterbilden damit er auf den neuesten Stand bleibt.

Deine interessanteste Baustelle, an die Du Dich erinnern kannst?
Das waren einige, als ich noch bei einem Bau- und Zimmereiunternehmen gearbeitet habe. Gut kann ich mich an einen Kindergarten erinnern: Da haben wir in Holzbauweise eine Krabbelstube errichtet.

Wie schaut Deine private Seite aus?
Recht bunt – mit einem 3-jährigen Buben und einer Tochter mit 4 Monaten. Wenn Zeit bleibt, spiele ich als Musiker in der Ortskapelle – oder bei den Jagdhornbläsern. Weil das ist mein anderes Hobby: die Jagd!

Na dann: Waidmanns Heil! Und danke fürs Gespräch …

Johann Hartmann

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In seinem Zimmerer-Leben war Johann Hartmann aus Maria Taferl „bekannt wie ein bunter Hund“. Die Leidenschaft für die Zimmerei hat er mit der Pensionierung 2009 nicht abgelegt: Er besucht Baustellen und bemüht sich um die Verbreitung der Zimmerer-Tracht.

Du trägst die Tracht am Plakat mit so offensichtlichem Stolz!
Ich hab sie immer getragen: zur Josefi-Feier, zu Gleichenfeiern, zu Geburtstagsfeiern. Leider wird das Bekenntnis zur Tracht mit der Zeit schwächer. Gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin betreibe ich einen kleinen Handel für Zimmerer, die die Tracht kaufen wollen.

Was hat Dich seinerzeit zur Zimmerer-Lehre geführt?
Eigentlich hat mich ja Glockengießer interessiert. Aber da war das Angebot dünn gesät. Dass mein Vater schon als Zimmerer beschäftigt war, hat mit den Ausschlag gegeben. Und ich habe die Entscheidung für den Zimmerer-Beruf mein Leben lang nicht bereut.

Was ist das Schöne an diesem Beruf?
Die Gestaltungsfreiheit. Ich war immer einer, der dem Chef zu einem Bauplan auch einmal gesagt hat: „Das und das stelle ich mir anders vor.“ Und dann haben wir gemeinsam und mit dem Kunden immer wieder neue und interessante Varianten gefunden. Seit meiner Lehre Anfang der 1960er habe ich alles in der Zimmerei kennengelernt: vom Büro über die Halle bis zur Baustelle. Und 34 Jahre lang habe ich in der Berufsschule unterrichtet.

Was macht einen guten Zimmerer aus?
Prinzipiell einmal die Liebe zum Beruf. Ohne die geht gar nichts. Ein guter Zimmerer ist einer, der einen Plan in die Praxis umsetzen kann. Einer, der mit Menschen umgehen kann – das gehört in der Zimmerei eben auch dazu. Und einer, der seine Arbeit auch dokumentieren kann über Arbeitsberichte, Lieferscheine undsoweiter.

Deine interessanteste Baustelle, an die Du Dich erinnern kannst?
Die Radrennbahn für Wien, ein Paraboloid-Gebilde, das nach allen Richtungen gewunden ist. Und eine Holzplastik für die Weltausstellung in Montreal – bei der Reise zur Montage war ich leider nicht dabei.

Gesehen auf die letzten Jahrzehnte: hat sich das Zimmerer-Handwerk grundsätzlich oder nur oberflächlich gewandelt.
Grundsätzlich. Mit den modernen Technologien arbeiten die Betriebe heute viel produktiver. Wir haben Dächer noch mit der Zugsäge abgerundet, heute macht das die EDV. Walmdächer waren früher umständlich, heute sind die Routine. Dass die Abbund-Technik heute über den Computer gemacht wird, habe ich ja mitbetrieben: Ich war auch Handelsvertreter für ein Abbund-Programm und bei den Zimmereien bekannt wie ein bunter Hund!

Wie schaut Deine private Seite aus?
Der Holzbau treibt mich immer noch um. Ich fahre gerne herum und sehe mir Baustellen im Holzbau an. Dort kommen wir dann auch schnell ins Gespräch. Man kennt mich ja …

Wie schön, ein Leben für das Zimmerer-Handwerk! Danke fürs Gespräch.
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David Hirschmüller

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Er steht auf den Werkstoff Holz. Und Holz hat ihn an seinem Wohnort schon von Kind auf umgeben: in Oberwölbling am Dunkelsteiner Wald. Jetzt, ein gutes Jahr nach dem Abschluss seiner Lehre, ist David Hirschmüller „voll auf Zug“.

Das pfiffige Halstuch am Plakat steht Dir gut …
Das ist Teil der Zimmer-Tracht. Ich hab daheim eine im Kasten hängen.

Wer bügelt die?
Eigentlich meistens die Mama : -)

Wie bist Du zum Zimmerer-Handwerk gekommen?
Zuerst habe ich als Spengler, dann als Dachdecker geschnuppert. Dann als Fliesenleger. Aber das Arbeiten im Knien, das war nicht meins. Dann habe geschnuppert bei der Firma Gerstenmayer in Karlstetten. Und das hat mir auf Anhieb getaugt.

Was ist das Schöne am Zimmerer-Beruf?
Das Holz, weil es ein schöner Werkstoff ist. Die Arbeit an den großen Maschinen. Außerdem ist es ein Handwerk, in dem man das, was man an der Berufsschule lernt, dann in der Praxis größtenteils auch umsetzen kann. Und auf der Baustelle selbst sieht man dann, wie jeden Tag viel weiter geht.

Was macht einen guten Zimmerer aus?
Sicher Genauigkeit. Aber auch Selbstständigkeit. Wenn mein Chef sagt: „Fahr dorthin und mach die Messungen für das Carport“, dann muss ich dort auch mit dem Kunden Dinge selbst abklären.

Deine interessanteste Baustelle, an die Du Dich erinnern kannst?
Interessant finde ich jede. Weil jede anders ist. Ein großes Wohnhaus ist mir speziell in Erinnerung geblieben. Allein wegen der Dimensionen, die wir da für den Dachstuhl ausgeführt haben.

Wie schaut Deine private Seite aus?
So viel Freizeit bleibt gar nicht, weil ich gerade mit der Polier-Ausbildung anfange. Ich will schon weiterkommen in meinem Beruf. Die Wohnung habe ich noch bei meinen Eltern. Aber das könnte sich bald ändern …

Falls Du dann baust: Nach einem Zimmerer musst Du jedenfalls nicht lange suchen. Danke fürs Gespräch …
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